Seit über 150 Jahren stehen Zerbsterinnen und Zerbster ehrenamtlich bereit, wenn es brennt oder Hilfe gebraucht wird. Hier ein Überblick über die bewegte Geschichte unserer Wehr – von der Turner-Feuerwehr mit Handdruckspritze bis zum heutigen Gerätehaus in der Dessauer Straße.

Wichtige Daten auf einen Blick

  1. 1869Gründung als Freiwillige Turner-Feuerwehr (Gründungstag: 6. Juli 1869)
  2. 1886neues Spritzenhaus auf der Prignitz
  3. 1912erste Dampfspritze
  4. 1913Zusammenschluss zu einer einheitlichen Freiwilligen Feuerwehr
  5. 1917erste Jugendfeuerwehr mit 17 jungen Männern
  6. 1929MAGIRUS-Löschfahrzeug LF 10
  7. 1945Löscharbeiten nach dem Bombenangriff vom 16. April
  8. 1956Neugründung der Freiwilligen Feuerwehr Zerbst
  9. 1959neues Gerätehaus
  10. 1964Gründung der Frauengruppe
  11. 1991Neugründung der Jugendfeuerwehr
  12. 1992Partnerschaft mit der Freiwilligen Feuerwehr Jever
  13. 1998Bezug des heutigen Gerätehauses in der Dessauer Straße
  14. 2007Hubrettungsfahrzeug Bronto Skylift (TLK 23/12)
1869

1869Die Gründung

Die Wehr um 1874
Die Wehr um 1874

Am 18. Februar 1869 stellten die Mitglieder des „Männer-Turn-Vereins Zerbst“ ihren zweiten Antrag auf Gründung einer Freiwilligen Turner-Feuerwehr. Die Satzung der Hauptversammlung vom 2. März 1869 wurde – mit Abstrichen – am 9. April 1869 vom Magistrat und am 22. Juni 1869 von der Herzoglichen Regierung genehmigt.

Auf der Generalversammlung am 6. Juli 1869 wählten die Kameraden ihren ersten festen Vorstand und verpflichteten sich auf die Satzung. Dieser Tag gilt als eigentlicher Gründungstag.

Der erste Vorstand
Hauptmann H.-F. Partheil, Kaufmann
Stellvertreter C. Rettig, Seidenwirker
Führer H. Schulz, Tuchmachermeister
Führer A. Riesleben, Töpfermeister
Führer H. Seeger, Schneidermeister
Stellvertreter H. Sauer, Seifensieder
Stellvertreter Braunsdorf, Schneidermeister
Stellvertreter Mittelstrass, Schuhmachermeister

Ihren ersten Einsatz hatte die junge Wehr am 27. Oktober 1869 beim Brand der Schlossmühle. Am 14. Dezember 1869 erhielten die Kameraden von der Stadt ihre erste Spritze mit Zubringer. Die gesamte Ausrüstung war im Spritzenhaus auf der Schlossfreiheit untergebracht. 1872 kamen unter anderem 30 Blusen und Helme hinzu.

Zur besseren Alarmierung wurde die Stadt in Brandbezirke eingeteilt. Alarmiert wurde mit der Sturmglocke im Turm der Nikolaikirche – für jeden Bezirk mit einer eigenen Tonfolge.

1886

1886Das neue Spritzenhaus

Brand auf der Zerbster Heide 1888
Brand auf der Zerbster Heide 1888

1886 wurde das neue Spritzenhaus auf der Prignitz fertiggestellt, das alte auf der Schlossfreiheit 1887 abgerissen. Neben der Freiwilligen Feuerwehr gab es zu dieser Zeit auch eine Pflichtfeuerwehr. Die Freiwillige Feuerwehr war als Verein organisiert und hatte ihr Vereinslokal auf der Zerbster Heide.

Ein großes Problem war bis 1894 die Löschwasserversorgung: Das Wasser musste mit Pferden und Wasserwagen zum Einsatzort gebracht werden. Abhilfe schuf erst der Bau der städtischen Wasserleitung.

Ausrüstung im Jahr 1894: 2 Abprotzspritzen, 2 Zubringer, 1 große Landspritze, 2 Schlauchhaspeln auf je 2 Rädern, 1 Requisitenwagen, 2 große Wasserwagen, 1 Mannschaftswagen, 1 mechanische Leiter, 1 Stützleiter, 9 einholmige Hakenleitern, 1 Gesimsbock, 1 Rauchmaske und weiteres Material.

1900–1933

1900 bis 1933Vom Pferd zum Motor

LF 10 um 1929
LF 10 um 1929

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts löschte die Wehr Brände noch mit einer pferdebespannten Handdruckspritze. 1909 wurde die Handwerkerabteilung der Pflichtfeuerwehr aus praktischen und finanziellen Gründen aufgelöst. Mit der neuen Dampfspritze von 1912 war die kräftezehrende Handarbeit beim Löschen vorbei.

Weil in Zerbst mehrere Feuerwehren nebeneinander bestanden, wurden 1913 die Turner-Feuerwehr und die Freiwillige Feuerwehr aufgelöst und zu einer neuen Freiwilligen Feuerwehr unter einheitlichem Kommando zusammengeführt.

DL 18 um 1931
DL 18 um 1931

In der schweren Zeit des Ersten Weltkriegs traten viele Bürger in die Feuerwehr ein. Über die Kameraden, die in den Krieg ziehen mussten und nicht zurückkehrten, liegen uns leider keine Angaben vor. 1917 wurde die erste Jugendfeuerwehr mit 17 jungen Männern gegründet.

1922 verbesserte ein elektrisches Alarmschleifensystem die Alarmierung, ein Jahr später erhielt die Wehr ihre erste Automobilspritze. In den 1920er- und 1930er-Jahren löste der Stahlhelm die lederne Haube ab, und in der Stadt und den umliegenden Dörfern wurden Flachspiegelbrunnen für die Löschwasserversorgung gebohrt.

Mit der Gründung einer selbstständigen Kreisfeuerwehr im damaligen Landkreis Zerbst verloren die Zerbster Kameraden ihre Automobilspritze. Die Stadt kaufte daraufhin 1929 ein modernes MAGIRUS-Löschfahrzeug (LF 10) mit einer Leistung von 1.000 Litern pro Minute. Nachdem 1931 auch die vorhandene Drehleiter auf ein MAGIRUS-Fahrgestell montiert worden war, verfügte die Wehr über zwei moderne Feuerwehrfahrzeuge.

1933–1945

1933 bis 1945Nationalsozialismus und Krieg

Die Wehr 1938
Die Wehr 1938

Aus dieser Zeit ist nur wenig überliefert. Die Technik der Wehr war bereits im Depot in der Dessauer Straße untergebracht. Die Feuerwehr wurde der Polizeibehörde als Hilfstruppe unterstellt, die Fahrzeuge erhielten einen grünen Anstrich, und der Feuerwehrdienst wurde durch das Gesetz über das Feuerlöschwesen vom 23. November 1938 neu geregelt. Am 22. Mai 1938 wurde die Feuerwehrschule Heyrothsberge als Landesbildungseinrichtung übergeben.

Am 23. September 1942 erhielt die Wehr ein neues Löschfahrzeug LF 15 (Mercedes-Benz, Aufbau METZ), am 29. Oktober 1943 zwei Motorräder (Zündapp und Victoria) für die Nachrichtenübermittlung durch Melder. In den Kriegsjahren standen außerdem die beiden Fahrzeuge von 1929 und 1931, ein Mannschaftswagen, zwei LF 8 auf Opel Blitz (Baujahr 1943), ein Opel Kapitän und mehrere Tragkraftspritzen zur Verfügung.

Der Bombenangriff vom 16. April 1945 legte Zerbst in Schutt und Asche: 573 Menschen kamen ums Leben, 4.130 Wohnungen in 1.433 Häusern wurden zerstört. Noch während des Angriffs begannen die Kameraden mit den Löscharbeiten und waren bis zum 28. April 1945 pausenlos im Einsatz. Durch den Krieg verlor die Wehr einen großen Teil ihrer Technik und Ausrüstung.

1945–1949

1945 bis 1949Die Besatzungszeit

Während der Besatzungszeit durch die Rote Armee erhielten die Kameraden zweisprachige Ausweise (deutsch und russisch), damit sie ihre Aufgaben auch während der Sperrzeit erfüllen konnten. Die alten Uniformen durften ohne NS-Embleme und Abzeichen weiter getragen werden, und die Technik wurde nicht als Reparationsgut eingezogen. Zur Verfügung standen eine TS 25, zwei TS 8 mit Anhänger und mehrere Schlauchwagen. 1946 musste das alte MAGIRUS-LF 10 von 1929 wieder in Betrieb genommen werden; ergänzt wurde es durch ein LF 25 aus Wehrmachtsbeständen.

1949–1989

1949 bis 1989Die Zeit der DDR

Die Wehr in den Sechzigern
Die Sechziger

Nach der Gründung der DDR wurde die Feuerwehr als Berufsfeuerwehr der Volkspolizei angegliedert und die Freiwillige Feuerwehr Zerbst aufgelöst. Nachdem die Volkskammer am 18. Januar ein einheitliches Brandschutzgesetz der DDR verabschiedet hatte, konnte die Freiwillige Feuerwehr Zerbst im Februar 1956 auf Aufruf der Stadt Zerbst und des Rates des Kreises neu gegründet werden.

1958 übernahmen die Kameraden ein neues LF 15 vom Typ H3A. Im selben Jahr begann der Bau eines neuen Gerätehauses, das im folgenden Jahr feierlich übergeben wurde. 1964 gründete sich die Frauengruppe der Freiwilligen Feuerwehr Zerbst.

Die Feuerwehr 1983
Die Feuerwehr 1983

Die weitere Modernisierung ging nur langsam voran: Erst 1982 kamen zwei neue Löschfahrzeuge (LF 16 und TLF 16) vom Typ W 50 hinzu. Hervorzuheben sind aus dieser Zeit die Jugendarbeit der AG „Junge Brandschutzhelfer“ und die vielen Brandschutzkontrollen in Wohnungen und Betrieben. 1987 zählte die Wehr 80 Männer und Frauen.

ab 1990

Ab 1990Neuanfang nach der Wende

Die Wehr im Jahr 2000
Die Wehr 2000

Nach der Maueröffnung lösten sich die Frauengruppe und die AG „Junge Brandschutzhelfer“ auf. Viele Kameraden verloren ihre Arbeit und zogen mit ihren Familien aus der Region weg. Trotzdem gründeten die Kameraden Klaus Grahmann und Otto Borkowitz am 4. Oktober 1991 die Jugendfeuerwehr Zerbst mit 11 Jugendlichen neu.

Mit dem Partnerschaftsvertrag vom 25. Juli 1992 entstand eine enge Verbindung zur Freiwilligen Feuerwehr Jever, die der Zerbster Wehr gerade in den Anfangsjahren tatkräftig zur Seite stand.

Mit modernen Rufmeldeempfängern zur stillen Alarmierung ersetzten nach und nach Funkmelder die alten Sirenen. Danach wurden mehrere neue Fahrzeuge in Dienst gestellt:

1993 ELW 1 auf VW T4
1994 TSF-W auf Mercedes-Benz 510
1995 SW 2000 auf Mercedes-Benz Unimog
1998 MTF auf Fiat
2002 ErkKW auf Fiat
2002 HLF 16/20 und TLF 16/25 auf Mercedes-Benz Atego
2007 Hubrettungsfahrzeug Bronto Skylift (TLK 23/12)

Den Erkundungskraftwagen (ErkKW) erhielt die Wehr infolge der Anschläge vom 11. September 2001 über das Land Sachsen-Anhalt. Erst mit dem TLF 16/25 und dem HLF wurden 2002 die drei W-50-Fahrzeuge (zwei TLF und ein LF) außer Dienst gestellt. Als Übergangslösung diente lange eine gebrauchte MAGIRUS-Deutz-Drehleiter von 1971, die 2007 durch den Bronto Skylift ersetzt wurde.

1998

1998Das heutige Gerätehaus

Fahrzeuge der Freiwilligen Feuerwehr Zerbst/Anhalt

Am 25. September 1998 wurde auf dem Hof der alten Wache der Grundstein für das neue Gerätehaus in der Dessauer Straße gelegt. Schon nach kurzer Bauzeit übergab Bürgermeister Helmut Behrend am 18. Dezember 1998 die Schlüssel. Die alte Wache wurde nicht abgerissen, sondern wird heute anders genutzt.

Wie unsere Wehr heute aufgestellt ist, erfahren Sie unter Wer wir sind und Technik.