Bericht zur Jahreshauptversammlung der FF Zerbst/Anhalt 2009

Am 13.03.2009 fand unsere diesjährige Jahreshauptversammlung - gemeinsam mit den Ortswehren aus Bias, Bone, Mühlsdorf und Pulspforde  in der Stadthalle statt. Hierzu konnten wir natürlich wieder viele Gäste begrüßen, so unter anderem

            - den Innenminister unseres Bundeslandes, Herrn Holger Hövelmann;

            - den Bürgermeister der Stadt Zerbst/Anhalt, Herrn Helmut Behrendt;

            - den Vorsitzenden des Stadtrates, Herrn Wilfried Bustro

            - unseren Kreisbrandmeister Matthias Winter

sowie weitere Vertreter aus der Stadt, dem Landkreis sowie von Feuerwehren. Die Kameraden unserer Partnerwehr aus Jever - sonst auf jeder Jahreshauptversammlung vertreten - konnten wegen der bei ihnen anstehenden Wehrleiterwahl dieses mal nicht dabei sein, haben aber ihren Besuch zu unserer 140-Jahr-Feier versprochen.

 

Im Mittelpunkt der Jahreshauptversammlung standen wie immer der Bericht unseres Wehrleiters sowie die Berichte der Ortswehrleiter. Hier wurden zunächst noch einmal die Aktivitäten des Vorjahres in Erinnerung gerufen:

Die Freiwillige Feuerwehr Zerbst/Anhalt und ihre 4 Ortswehren hatten im vergangen Jahr insgesamt 124 aktive Mitgliedern, darunter 20 Frauen sowie eine Alters- und Ehrenabteilung mit 18 Mitgliedern. Weiterhin besteht in Zerbst eine Jugendwehr mit 19 Mitgliedern sowie eine Kinderfeuerwehr in der Trägerschaft des Fördervereins mit 20 Kindern. Insgesamt hatten wir im Jahre 2008 106 Einsätze zu verzeichnen, 100 Einsätze für Zerbst, 2 Einsätze für Pulspforde und 4 Einsätze für Bias. Der sommerlichen Witterungslage waren zum größten Teil die 10 Großbrände geschuldet, übrigens alles überörtliche Einsätze, die wir in Nachbarschaftshilfe mit den zuständigen Ortswehren bekämpfen mussten. Hier fielen neben einem großen Bergeraum, einem Traktor, einer Strohpresse und einem Großraumhänger über 85 Hektar Getreide den Flammen zum Opfer. Beim Brand einer Jungentenaufzucht in Pakendorf am 23.08. konnten leider nur ca. 4 000 von 19 000 Jungenten gerettet werden.

Gerade die großräumigen Flächenbrände - bei enormer Hitze, Rauchentwicklung und sich ständig drehenden Winden - stellen eine sehr hohe physische Belastung für die Einsatzkräfte dar. 

Weiterhin kam es zu einem Mittelbrand, der auch ein Feldbrand war. 6-mal wurden gemeldete Brände vor Ankunft der Feuerwehr von Anwohnern gelöscht. Zudem kam es zu 46 Kleinbränden, meist Müll-, Papier- und Kleidercontainer, die wohl meist jugendlichem Vandalismus zum Opfer fielen. Allein in der Nacht vom 22.10. zum 23.10. waren 8 Einsätze und 15 ausgebrannte Müll- bzw. Papiercontainer, eine beschädigte Sporthallenfassade und eine angebrannte Baurüstung zu verzeichnen. Diese Einsätze sind zwar physisch nicht so anstrengend, dennoch aber sehr belastend, wenn man daran denkt, dass die meisten Einsätze in den frühen Morgenstunden zwischen 01.00 Uhr und 04.00 Uhr erfolgen und die Kameraden für den Arbeitsalltag wieder fit sein müssen.

 6-mal wurde so genannter blinder Alarm ausgelöst, dies geschieht zumeist durch falsche Wahrnehmungen, wie zum Beispiel beim Betrieb einer so genannten Lichtorgel, einmal war es auch der flackernde Weihnachtsbaum.

Entgegen dem allgemeinen Trend sind die Hilfeleistungen 2008 zurückgegangen. Dieser Bereich ist sehr vielfältig. Es sind Einsätze bei ausgelaufenen Flüssigkeiten, Beseitigung von Ölspuren, Messungen bei Gefahrstoffaustritten oder Gasgeruch, 2-mal sollten Jugendliche von Dächern geholt werden. 

Insgesamt konnten durch die Kameraden der FF Zerbst/Anhalt 3 Menschenleben gerettet werden, so am 11.12.08 eine Person aus einer brennenden Wohnung am Markt. Die Freiwillige Feuerwehr Jütrichau unterstützten wir am 15.12.2008 bei der Rettung einer jungen Mutter und ihres Kindes, aus einem verunfallten Pkw auf der B 184 bei Jütrichau.

Recht häufig gab es im Jahre 2008 das Alarmstichwort Tier in Not, ein Mal waren es ca. 500 Schafe die sich selbstständig gemacht hatten und eine Straße blockierten und 3-mal mussten Schwäne gerettet werden, wobei der letzte Einsatz in den Vormittagsstunden des Silvestertages stattfand. 

Der größte, umfangreichste und zugleich ein bisher einmaliger Hilfeleistungseinsatz war die Evakuierung von ca. 3 000 Zerbster Bürgern am 24.10.08. Die am Vortag gefundene Fliegerbombe aus dem 2. Weltkrieg, konnte nicht entschärft werden. Die Bombe musste außerhalb der Stadt gesprengt werden. Die Kameradinnen und Kameraden unserer Wehr halfen bei der Evakuierung vornehmlich älterer und behinderter Bürger unserer Stadt und sicherten anschließend die Sprengung ab.

 16-mal mussten wir zu Fehlalarmen durch automatische Brandmeldeanlagen ausrücken. Die Gründe dafür sind sehr vielfältig, diese reichen von technischen Ursachen über nicht abgedeckte Melder bei staub- oder schmutzerzeugenden Arbeiten, ungenehmigtes Betreiben von Toastern in Büroräumen mit Meldern bis hin zum Abbrennen von Wunderkerzen bei Feierlichkeiten. 

Bei kostenpflichtigen Einsätzen wurden für das Stadtsäckel über 5 000 Euro erzielt. Hier ist anzumerken, dass noch immer die Feuerwehrkostensatzung in Bezug auf das Hubrettungsfahrzeug und die Ortswehren nicht angepasst ist.

 Die Gesamtdauer der Einsätze 2008 betrug 94 Stunden, es kamen 853 Kameraden zum Einsatz, die 904 Einsatzstunden absolvierten. Insgesamt wurden 27 Lehrgänge auf Landes- und Kreisebene sowie insgesamt 90 Ausbildungs- und Übungsdienste absolviert 

Damit haben die Kameradinnen und Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr Zerbst/Anhalt im Einsatz- und Ausbildungsdienst 2008 insgesamt 3 092 Stunden uneigennützig und kostenlos zum Wohle unserer Bürger geleistet. 

Auch im vergangenen Jahr haben wir natürlich wieder mit vielen Einrichtungen, Firmen und befreundeten Organisationen zusammengearbeitet. So haben wir wieder eine gemeinsame Ausbildung mit den Mitarbeitern des Zerbster Rettungsdienstes durchgeführt und eine Einsatzübung mit den Einsatzkräften der DLRG an der Elbe durchgeführt, wo wir das Zusammenwirken bei einem Motorbootunfall trainiert haben. Dies hat sich am Jahresende ausgezahlt, unseren letzten Einsatz am Silvestervormittag haben wir gemeinsam absolvieren dürfen.

Während unser Wehrleiter leider noch keine Entwarnung beim derzeit wohl für fast alle Feuerwehren wichtigsten Thema - der Einsatzbereitschaft am Tage - geben konnte, zeichnet sich auf einem anderen Problemfeld eine Lösung ab: bei den regelmäßigen Tauglichkeitsuntersuchungen für die Atemgeräteträger. Ein Dessauer Arzt hat in der Vergangenheit über 90 % der Kameraden für so körperlich schwach und angeschlagen befunden, dass sie nur für ein Jahr die Tauglichkeit bekamen. Da die VG Elbe-Ehle-Nuthe mit ihren Kameraden die gleichen Probleme hatte, haben wir gemeinsam mit einem Dienstleister aus Berlin verhandelt und konnten kurzfristig 90 Kameradinnen und Kameraden an 3 Wochenenden in unserem Feuerwehrgerätehaus mit positiven Ergebnissen untersuchen lassen. Für eine längerfristige Lösung haben wir eine Zerbster Ärztin gewinnen können, die sich in der Weiterbildung befindet.

Sehr viel Zeit wurde in der Öffentlichkeitsarbeit geleistet. Als Mitglied des Verkehrsvereins wurden natürlich die Stadtfeste mit unterstützt, so auch wieder der große Festumzug der Vereine, die. Die alljährliche Durchführung der Berufsfindungsmesse des Landkreises auf dem Feuerwehrgelände wurde abgesichert, wir haben die „Zerbster Tafel“ bei ihrer Veranstaltung auf dem Markt unterstützt, die Veranstaltungen der Verkehrswacht begleitet und Öffentlichkeitsarbeit durch Unterstützung von Projekttagen an den Zerbster Kitas und Schulen geleistet. Hier wurde auch am Zerbster Gymnasium bei einer Räumungsübung der Rettungsschlauch unseres Hubrettungsgerätes erfolgreich in der Praxis getestet. Ihren Schülern voran probierte die stellvertretende Direktorin Frau Schimmel das neue Rettungsgerät aus. Der

Weiterer Höhepunkt dieses Jahres war wieder der Tag der offenen Tür mit der Gründung der Kinderfeuerwehr, die inzwischen 20 Mitglieder zählt. Wir freuen uns auch über die spontane Unterstützung der Ausstellergemeinschaft der Gewerbefachausstellung unter Leitung von Herrn Grigoleit, die die Einnahmen ihrer Münzprägeaktion der Kinderfeuerwehr gespendet hat.

Aber auch unsere Jugendfeuerwehr sei hier positiv erwähnt, in der 19 Mädchen und Jungen ihren Dienst tun. Unter der Leitung von Hans-Martin Klatt und Eyk Schönefeld hat sich die Jugendfeuerwehr in den letzten Jahren stabilisiert. Es konnten im vergangenen Jahr 2 Jugendwehrmitglieder in den aktiven Dienst wechseln.

 Zum Abschluss seiner Rede dankte unser Wehrleiter allen Vereine, Betriebe und Einrichtungen, mit denen wir im vergangenen Jahr zusammenarbeiten durften. Dank auch an die Mitarbeiter der Einsatzleitstelle, des Feuerwehr-Technischen Zentrums, die Kameraden der DLRG, die Kollegen der Polizei sowie an die Alters- und Ehrenabteilung und Günter Röhrs.

Den Berichten der Ortswehrleiter folgten die Grußworte unserer Gäste. Ausdrücklich dankten die Vertreter der Stadt dabei den Kameradinnen und Kameraden für die geleistete Arbeit.

"Wir stehen immer hinter der Feuerwehr. Auch wenn es um manche Dinge Diskussionen gibt", erklärte Bürgermeister Helmut Behrendt in seiner Rede und spielte damit auf die Anschaffung einer Wärmebildkamera an, die nun allerdings beschlossen ist. Ganz konkret verwies er dabei auch auf die Anfang des Jahres in Kraft getretene Einsatzentschädigung von sieben Euro je Einsatz für die Feuerwehrmitglieder. Im April soll es eine Zusammenkunft von Vertretern der Stadt, des Stadtrates und der Feuerwehr zu Problemen des Brandschutzes und Perspektiven geben. Auf deren Notwendigkeit hatte auch unser Wehrleiter im Rechenschaftsbericht verwiesen, unter anderem mit Blick auf die Gemeindegebietsreform. 

Innenminister Holger Hövelmann rief "zum Mitdiskutieren beim Leitbild Feuerwehr und besonders auch zur Mindestausrüstungsverordnung" auf. Der Minister ging auf die Feuerwehr-Rente ein. Da sei eine bundesweite Regelung nicht gelungen, aber es gebe eine Landesregelung. Holger Hövelmann verwies darauf, dass sich 2009 Weiteres in Sachen Digitalfunk tun werde. Kreisbrandmeister Matthias Winter hakte beim Digitalfunk ein. Der Landkreis habe Zahlen gemeldet, die auf der Fahrzeugausstattung des Jahres 2006 basierten. Seitdem dazu gekommene Fahrzeuge müssen aber aus unserer Sicht auch berücksichtigt werden.

Traditionell wurde unsere Jahreshauptversammlung mit den Ehrungen und Beförderungen abgeschlossen.

 

Nach abgeschlossener Grundausbildung und nach erfolgreicher Absolvierung der geforderten Lehrgänge wurden zum Feuerwehrmann ernannt:

 

                        Kamerad Andreas Schilde, Ortswehr Zerbst/Anhalt

                        Kamerad Stephan Zehle, Ortswehr Zerbst/Anhalt

 

Nach erfolgreich abgeschlossenen Lehrgängen und entsprechender Dienstzeit und seiner hohen Aktivität beim Aufbau und der Führung unserer Jugendwehr wurde zum Oberfeuerwehrmann befördert:

                        Kamerad Eyk Schönefeld ( links ), Ortswehr Zerbst/Anhalt

Nach erfolgreich abgeschlossenen Lehrgängen und entsprechender Dienstzeit und seiner hohen Aktivität beim Aufbau und Führung unserer Jugendwehr wurde zum Hauptfeuerwehrmann befördert:

Kamerad Hans-Martin Klatt ( 2. v. links ), Ortswehr Zerbst/Anhalt 

            

 Für „10 Jahre Treue Dienste“ und Mitgliedschaft in der Freiwilligen Feuerwehr wurde die Anstecknadel der Stufe I verliehen an die Kameraden:

 

                        Christian Biermann, Ortswehr Bone

                        Ralph Lange, Ortswehr Bias

                        Kamerad Steffen Schmidt, Ortswehr Bias

 

Für „20 Jahre Treue Dienste“ und Mitgliedschaft in der Freiwilligen Feuerwehr wurde die Anstecknadel der Stufe II verliehen an die Kameraden:

                        Olaf Bohne, Ortswehr Bias

                        Jürgen Dornblut ( Foto links ), Ortswehr Zerbst

 

Für „40 Jahre Treue Dienste“ und Mitgliedschaft in der Feiwilligen Feuerwehr wurde die Anstecknadel der Stufe IV verliehen an die Kameraden:

                        Wolfgang Leps, Ortswehr Bone

                        Josef Peroutka, Ortswehr Bone

 

Mit einer Geldprämie als Dank und Anerkennung für die Initiative bei der Gründung der Kinderfeuerwehr Zerbst/Anhalt und ihrer vorbildlichen Betreuung wurden ausgezeichnet:

 

                        Kamerad Axel Becker ( links ), Ortswehr Zerbst

                        Kameradin Anika Böttcher ( 2. v. links ), Ortswehr Zerbst

sowie

                        Kamerad Kai Ritter ( Mitte )auf Vorschlag der Ortswehrleitung Pulspforde

 

( Text : Axel Becker, Fotos : Sebastian Fonfara )

www.zerbster-feuerwehr.de